Bier selber brauen. Oder: die Liebe zum Bier im Revier.

Kumpel, Currywurst und Fußball… dafür steht der Ruhrpott. Natürlich auch für Schrebergärten, Buden und „Bömskes“ (Bonbons) – die Liste ließe sich zweifelsohne noch lange fortführen. Das Wichtigste fehlt aber. Was trinkt man im Revier? Richtig, Bier! Oder können Sie sich den klassischen Malocher mit einem Glas Wein vorstellen? Okay, das ist jetzt ein Vorurteil, denn der Kohlenpott ist ja längst nicht mehr das, was er einmal war. Im einstmals rußigsten Teil Deutschlands sind Industrielandschaften entstanden, in denen es grünt und blüht. Zechen wurden zu Museen und Kultur-Treffpunkten. Auch wenn sich vieles im Revier verändert hat, die Liebe zum Bier ist geblieben.

Das kann Markus Stewen, Betriebsleiter bei Klüh Catering, nur bestätigen. Er kommt aus einer Familie mit Bergleuten und wohnt mitten im Pott, in Haltern. Hier geht er auch seinem Hobby nach – Bierbrauen. “Brauwerk Schacht 8” heißt die Marke, „Den Hauer sein Mottek“ das Bier. Für alle, die nicht aus dem Ruhrpott kommen, hier eine Namenserklärung: Mottek bedeutet Hammer und ist ein sogenanntes Lehnwort, also ein Wort, das aus einer anderen Sprache in die eigene übernommen wurde – in diesem Fall kam es von den Kumpeln aus Polen. Der Hauer ist ein ausgebildeter Bergmann.

Das Bier selbst ist ein Craft-Bier. Und wie schmeckt das? Das dunkle Export hat einen kräftigen Malzkörper mit einem kleinen Anteil Röstmalz. Der Aromahopfen “Perle” verleiht ihm Nuancen von Orange und Zedernholz. Callista-Hopfen sorgt für ein Aroma von tropischen Früchten im Glas. Klingt lecker, oder? Für den Brauer geht es aber nicht nur darum, ein großartiges Bier zu brauchen. Markus Stewen sieht das Brauen auch als Hommage an seinen Vater, Onkel und Großvater, die unter Tage (u. a. im Schacht 8 der Zeche “Auguste Victoria”) malochten. Neugierig geworden?

Hier geht’s zum Schacht 8: www.brauwerk-schacht8.de

Herr Stewen, wie kommt man als Koch auf die Idee, Craft-Bier zu brauen? Warum nicht Wein anbauen oder Gin brennen?

Natürlich, weil es um den Geschmack geht und der neue Ansatz der Craft-Bier-Bewegung Biere mit Geschmack und Charakter hervorbringt – abseits der oft „faden Fernsehbiere“. Zudem ist Bierbrauen eigentlich wie Kochen und die meisten Bierstile sind schon nach ca. 6 Wochen ausgereift – im Vergleich zu Wein, der ja mindestens 1-5 Jahre bis zur Trinkreife braucht. Außerdem ist meine Heimat das Ruhrgebiet ja eher Bier- als Weinland.

Brauer aus dem Pott

Ist „Den Hauer sein Mottek“ die einzige Biersorte oder gibt es noch weitere?

Aktuell ist es das einzige Bier von mir auf dem Markt. Für nächstes Jahr sind aber weitere Sorten geplant.

Sind Sie eigentlich noch Koch oder „nur“ noch Brauer?

Ich bin und bleibe mit Leib und Seele Koch. Das Bierbrauen ist, realistisch betrachtet, ein Hobby. Aber ein besonders tolles. Ein so kreatives Grundnahrungsmittel herzustellen, ist ein wirklich erhebendes Gefühl für mich als Koch.