Kürbisse – genussreiche Gemüsegiganten

Wer kennt sie nicht? Diese gruselig grinsenden Kürbisse, die um Halloween überall mit ihren kleinen Lichtern Grimassen schneiden? Eigentlich sind sie zum Schnitzen viel zu schade! Denn aus Kürbissen kann man sehr leckere Gerichte zaubern. Kürbisse gibt es in verschiedensten Formen, Farben und Größen – von XS bis XXXL. Manchmal heißen sie „Gelber Zentner“, „Big Max“ oder „Atlantic Gigant“. Letzterer brachte in diesem Jahr bei den Europameisterschaften im Kürbiswiegen in Ludwigsburg stolze 720,5 Kilogramm auf die Waage! Und der Kürbis ist auch bei der Leckeren Herbstküche ein kulinarisches Schwergewicht. Jede Menge Gründe, dieses Gewächs näher kennen zu lernen.

Kürbisse sind der Methusalem unter den Gemüsen

Lange Zeit wurde angenommen, dass ihre Geschichte nur bis 5.000 vor Christus zurückverfolgt werden kann. Aber nein. Neuere Funde von Samen domestizierter Kürbisse lieferten die Beweise, dass sie sogar schon 8 bis 10 Tausend Jahre vorchristlicher Zeit auf unserer Erde heimisch waren. So sollen in der bolivianischen Moxos-Savanne bereits vor über 10 Tausend Jahren Kürbisse angebaut worden sein. Heimat des Gartenkürbis war Mexiko und der Süden der USA. Dort gehören sie seit jeher zu den Grundnahrungsmitteln der indigenen Bevölkerung. Der Moschus-Kürbis kommt aus Zentral-Amerika und der Riesenkürbis aus Südamerika. Die Samen wurden wohl zuerst als nahrhaftes Lebensmittel genutzt, da diese frei von bitterem Geschmack sind. Erst durch die allmähliche Auslese der nicht-bitteren Arten, entwickelte sich der Kürbis zu einem genießbaren Gemüse.

Von Kartoffeln und Kürbissen

Christoph Kolumbus soll im 16. Jahrhundert nicht nur die Kartoffeln, sondern auch den Kürbis von seiner Amerikafahrt nach Europa gebracht haben. Bis in 20. Jahrhundert wurden Kürbisse in Mitteleuropa vor allem als Viehfutter eingesetzt, während bei den Amerikanern zum Thanksgiving Kürbis – auch Squash genannt – neben dem traditionellen Truthahn eine wichtige Rolle als Beilage spielt.

In Deutschland war es zunächst üblich, aus Kürbiskernen Speiseöl zu gewinnen. Aber auch süß-sauer eingemacht wurde er genossen. Erst in den letzten Jahren mit dem Überschwappen der Halloween-Welle rückt der Kürbis auch als vielseitig zuzubereitendes Gemüse in den Mittelpunkt der Küche. Der aus Ostasien stammende Hokkaido Kürbis erfreut sich besonderer Beliebtheit bei Amateur- wie Profi-KöchInnen – hat er doch eine angenehme Größe, einen aromatischen Geschmack und ist zudem relativ einfach küchenfertig und mit der Schale zu kochen.

Heiß geliebt ist der Kürbis als Suppe

Aber auch Sprossspitzen, Blüten und Blätter des Kürbis´werden zunehmend geschätzt. Kürbissamen werden von vielen verwendet – geröstet als knackiger Snack oder Topping oder zur Herstellung von Kürbiskernöl. Eine Premiumform stellt dabei das Öl des Steierischen Ölkürbis dar, bei dem die Verholzung der Samenschale unterbleibt, was den harmonisch-feinen Geschmack ausmacht.

Sorte Atlantic Gigant

Der knubbelige Kürbis ist der Freund der schlanken Linie

Das dürfte viele GenießerInnen zum Jubeln bringen. Denn er besteht zu 90 % aus Wasser und hat – sage und schreibe – nur 122 Kilojoule pro 100 Gramm. Der Vitamingehalt ist im Fruchtfleisch ebenfalls gering, dafür in den Samen höher. Einige Kürbissorten enthalten dafür allerdings wertvolle pflanzliche Hormone, die nachweislich gegen Blasen- und Prostataprobleme eingesetzt werden. Als der Gartenkürbis zur „Arzneipflanze des Jahres 2005“ gekürt wurde, bestätigten Fachleute, dass er neben seinen schmackhaften Komponenten für Eintöpfe, Suppen und Gratins auch von nachweislich gesundheitlichem Nutzen sei.

Warum die Farbpalette des Fruchtfleischs von Kürbissen so unterschiedlich ist? Dafür sind die Carotinoide verantwortlich, die sich in mehr oder weniger hoher Konzentration und in Fruchtfleisch und Schale konzentrieren. Auch die unterschiedlichen Aromen diverser Kürbis-Arten sind von den Inhaltsstoffen abhängig. Eine Geschichte für die Lebensmittel-chemikerInnen unter Ihnen …

Vorsicht vor bitterem Geschmack

Wie in jedem Paradies eine Schlange lauert, so muss man/frau auch vor bitter schmeckenden Kürbissen auf der Hut sein. Dies ist nämlich ein sicherer Indikator, dass die Bitterstoffe Cucurbitacine, welche auch durch den Kochprozess nicht verändert werden, erhalten bleiben und die Magen- und Darmschleimhaut angreifen können. Also: dann lieber Finger und Gabel weg!

Ludwigsburg im Kürbisfieber

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, der sollte noch schnell bis zum 6.12.2020 die 21. weltgrößte Kürbisausstellung in der ältesten Gartenschau Deutschlands rund um das Schloss Ludwigsburg besuchen. In diesem Jahr steht der barocke Schlosspark unter dem Motto „Musik“. Mit sage und schreibe über 450.000 Kürbissen werden auf dem Parkgelände des Barockparks riesige Musikinstrumente und weltberühmte Stars mit Kürbissen wie Puzzlesteine aufgebaut. So können Klassikfreunde eine überdimensionale Geige, einen Flügel und eine Büste von Beethoven zu Ehren seines 250. Geburtstags bestaunen. Die „Logo-Zunge“ der Rolling Stones, aber auch der aus Kürbissen nachgebaute Elvis Presley begeistern nicht nur ihre Fans. Klassisches Grammophon, Musikpilze aus dem Märchengarten, ein Ghettoblaster und ein DJ an seinen Kürbis-Turntables erzählen die Musikgeschichte mit Kürbis-Installationen nach.

Ein Blick auf die Website der Veranstalter ist dringend empfohlen, damit Sie sich persönlich ein Bild machen können. Selbst der hier schreibende Blogger war sichtlich verblüfft. Das flankierende Programm mit Kürbisspezialitäten in allen Aggregatzuständen sowie Meisterschaften im Kürbiswiegen sind skurril bis heiter sehenswert.

http://www.kuerbisausstellung-ludwigsburg.de/

https://www.blueba.de/de/blueba-heute.html

https://www.ludwigsburg.de/start/tourismus/Kuerbisausstellung.html

Schloss Ludwigsburg