Der Schöpfungspfad im Nationalpark Eifel

Rausgehen, runterkommen, durchatmen – so lässt sich vielleicht am besten beschreiben, was auf dem Schöpfungspfad mit einem passiert. Die Natur erleben und dabei die Natur unseres Selbst neu kennenlernen – auch das kann passieren, wenn man den wilden Pfaden des Weges folgt. Alles in allem eine sehr spannende Reise zu sich selbst – solange man sich darauf einlässt. Eines vorweg: der Schöpfungspfad ist wandertechnisch ein bisschen anspruchsvoller als andere Touren, auch wenn der Schwierigkeitsgrad mit „mittel“ angegeben ist, und deshalb nicht für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geeignet. Start und Ziel der Rundtour ist der Parkplatz Finkenauel in Simmerath-Hirschrott. Die drei Kilometer sind gut in anderthalb bis zwei Stunden zu schaffen.

Erkenntnisse auf 10 Stationen

Zurück zum Pfad, zum Schöpfungspfad. Klingt religiös? Stimmt auch! Das Ökumenische Netzwerk „Kirche im Nationalpark Eifel“ und die Nationalparkverwaltung haben den Rundgang, der im Jahr 2009 eröffnet wurde, zusammen geplant und entworfen. Das bedeutet aber nicht, dass der Pfad nur etwas für Gläubige ist. Die Schönheit der Natur wird hier jedem bewusst! Insgesamt gibt es auf dem Wanderweg zehn Stationen: „Achtsamkeit“, „Mono-Kultur“, „Vielfalt“, „Werden und Vergehen“, „Hindernis und Schutz“, „Zwischen Himmel und Erde“, „Dunkelheit und Licht“, „Ruhezeit“, „Weg zur Mitte“ und schließlich „Verantwortung“. An jedem Haltepunkt gibt es drehbare Tafeln mit biblischen und literarischen Texten, die zum Wahrnehmen und Meditieren einladen. Ein paar dieser Stationen wollen wir genauer betrachten. Begleiten Sie uns?

Einmal innehalten

Mit Achtsamkeit geht es los. Die Info-Tafel auf dem Schöpfungspfad erläutert: Spiritualität ist vor allem Achtsamkeit und lehrt uns, intensiv zu leben, sie lädt zum Genuss des Augenblicks ein, zur Lust am Leben. Das klingt gut, fällt uns aber in Corona-Zeiten nicht gerade leicht – vor allem die Lust am Leben zu spüren. Es fällt ja alles weg: Familie treffen, ins Kino gehen, mit Freunden beim Lieblingsitaliener sitzen. Das Home Office hat unseren Tagesablauf verändert und unserem Leben einen neuen Rhythmus gegeben. Können wir trotzdem achtsam sein? Ja klar, gerade jetzt! Was bedeutet Achtsamkeit eigentlich? Bei Wikipedia steht: Achtsamkeit ist ein Zustand von Geistesgegenwart, in dem ein Mensch hellwach die gegenwärtige Verfasstheit seiner direkten Umwelt, seines Körpers und seines Gemüts erfährt, ohne von Gedankenströmen, Erinnerungen, Phantasien oder starken Emotionen abgelenkt zu sein, ohne darüber nachzudenken oder diese Wahrnehmungen zu bewerten. Uff! Gemeint ist, im Hier und Jetzt zu sein, den Moment zu erleben, ohne ihn zu bewerten und ohne sich ablenken zu lassen. Oder, wie es eine Zen-Weisheit ausdrückt: Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich.“

Den Augenblick genießen

Gerade Essen ist bei uns ja häufig Nebensache – wir essen zwar, aber wir schauen dabei auch Fernsehen, lesen oder sitzen am Computer. Ein bisschen mehr Achtsamkeit kann Essgewohnheiten verändern und sogar dazu führen, dass wir weniger essen! Den Tisch decken, Mahlzeiten schön anrichten, den Duft genießen, langsam essen, mehr kauen, sich nur auf das Essen konzentrieren – all das macht schneller satt und senkt die Kalorienaufnahme. Übrigens, hat sich der Fleischkonsum in Deutschland während der letzten Monate deutlich verringert – weil wir vielleicht schon achtsamer geworden sind und mehr darauf achten, was wir essen?

Dafür spricht auch, dass viele aus ihrem Balkon oder Garten mittlerweile ein Selbstversorgerparadies mit Pflücksalat und Radieschen gemacht haben. Achtsamkeit kann uns auch Glücks- und Genussmomente bescheren. Wenn wir mit offenen Augen durch unser Leben gehen und die Blume am Straßenrand bemerken, das Lächeln des Nachbarn, die Sonne auf unserer Haut – allein das stimmt uns schon positiver. Das Gute an diesen kleinen Momenten ist, dass sie unsere Resilienz stärken, also unsere psychische Widerstandskraft. Resiliente Menschen können besser mit Krisen umgehen, sie stehen nach Schicksalsschlägen schneller wieder auf und lassen sich nicht unterkriegen. Diese besondere Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen, kann jeder trainieren – achtsam seine Umwelt zu betrachten und das Positive zu sehen, ist eine Möglichkeit.

Je mehr, desto besser

Spannend ist auch das Thema Vielfalt, die dritte Station auf dem Schöpfungspfad. Wenn man durch die Eifel wandert und sich umschaut, erkennt man auf den ersten Blick, dass die Schöpfung, die Natur, vor Vielfalt nur so sprudelt. Wir Menschen haben längst noch nicht alles entdeckt, was die Natur zu bieten hat. Gibt es drei Millionen oder 100 Millionen Arten auf der Welt? Wir wissen es nicht! Das Schlimme daran: während wir noch gar nicht alles erforscht haben, sorgen wir gleichzeitig dafür, dass die Artenvielfalt auf unserem Planeten wieder abnimmt! Durch die konventionelle Landwirtschaft, die sich auf wenige Tierrassen beschränkt, durch Mono-Kulturen, für die Wälder gerodet werden. Wer weiß, ob es nicht irgendwo in einem Dschungel ein Heilmittel gegen Krebs gibt? Ein abgeholzter Regenwald wird uns nicht helfen. Mittlerweile gibt es viele gegenläufige Bewegungen: Slow Food, Bio-Bauern, Züchter von alten Haustier-Rassen oder von alten Obst- und Gemüsesorten. Auch der Verzicht auf Fleisch sorgt auf unseren Tellern für mehr Vielfalt – vegetarische und vegane Gerichte mit den vielfältigsten Zutaten haben schon längst nichts Exotisches mehr an sich und gehören zum Beispiel in unseren Klüh Betriebsrestaurants längst auf den Speiseplan.

Psst, Ruhe jetzt!

Weiter geht’s mit Station 8 auf dem Schöpfungspfad, der Ruhezeit. Hier geht es um den Rhythmus der Jahreszeiten, um Tag und Nacht, um Brachzeiten und Ruhezeiten, um Ausgleich. Viele Themen reihen sich um die Ruhe, es gibt Ruhetage wie den Sonntag und selbst ein Teig muss ruhen, damit aus ihm ein knuspriger Laib Brot wird. Ruhe, ausruhen – das ist lebenswichtig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Wir brauchen diese Phasen, um uns wieder zu sammeln, um zu regenerieren, um Luft zu holen, bevor es wieder weitergeht. Das ist beim Wandern so, das ist in unserem Alltag so. Pausen während der Arbeitszeit helfen, uns wieder besser zu konzentrieren und mit neuem Schwung die nächste Konferenz zu wuppen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Ernährung. Wie sagt schon ein altes Sprichwort: „Voller Bauch studiert nicht gern“. Warum? Wenn der Bauch seine anstrengende Verdauungsarbeit leistet, wird das Gehirn weniger durchblutet. Dies wissen auch wir als Experten und haben deswegen eine Reihe von Gerichten entwickelt, die leicht verdaulich sind und das Mittagstief verkürzen oder sogar vertreiben, wie z. B. unsere Kraftquellen- und Low-Carb-Gerichte.

Heute und morgen

Den Abschluss des Schöpfungspfades bildet das Thema Verantwortung. Hier wollen die Schöpfer des Pfades deutlich machen, dass eine religiöse Welt- und Natursicht aufs engste mit ethischen Fragen verbunden ist. „Schöpfungsverantwortung wahrzunehmen heißt, nicht auf Kosten der Lebenschancen zukünftiger Generationen oder anderer Gesellschaften zu leben. Nationalparke haben das Ziel, Naturlandschaften für nachfolgende Generationen zu erhalten. Sie sind Landschaften, die die biologische Vielfalt und den Artenreichtum von Tieren und Pflanzen bewahren: Natur darf Natur bleiben und sich nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln. Der Schöpfungspfad im Nationalpark lädt Sie ein, Ihre Erfahrungen mit der Natur und sich selbst auch außerhalb des Nationalparks zur Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.“, so heißt es auf der Website Nationalpark Eifel

Da fehlt doch was!

Richtig, unser Gewinnspielrucksack wartet ja noch. Wir haben einiges über Vielfalt gehört, über Ruhe und auch über Verantwortung. Gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten lohnt es sich, bewusster zu leben und achtsamer mit sich umzugehen. Als kleine Hilfe packen wir deshalb einen Anti-Stress-Ball in unseren Gewinnspielrucksack!

Alle Fotos Schöpfungspfad: Claudia Günther, © Klüh Catering GmbH.