„Käse ist wahrlich das beste aller Nahrungsmittel, ebenso wie Wein das beste aller Getränke ist.“

Patience Gray, 1917 – 2005, britische Kochbuchautorin

Zu Gast in Deutschlands südlichstem Gefilde

Allgäu – ein Name, der bei uns einen ganzen romantischen Bilderbogen vor dem inneren Auge vorbeiziehen lässt: Blumenwiesen und saftige Weiden mit gemütlich grasenden Kühen (bevorzugt das Braunvieh), einem blauen See in nicht so weiter Ferne, direkt dahinter die Alpen und darüber ein blauer Himmel mit einigen weißen Wolken. Fertig ist das Urlaubsparadies! Das Genussland, wo köstliche Käsesorten und Mehlspeisen mit lustigen Namen beheimatet sind. Genau das Richtige, unsere Wanderschuhe wieder zu schnüren und uns gemeinsam auf der Käsestraße durch das Oberallgäu zu begeben.

Unser Gewinnerrucksack füllt sich jetzt immer mehr. Diesmal haben wir uns aus thematischem Anlass gedacht: Ein nettes Käsebrett gehört einfach dazu. Vielleicht sind Sie, liebe Leserin oder Sie lieber Leser, ja bald die glücklichen Besitzer? Wir drücken Ihnen die Daumen!

Wo ist eigentlich das OberAllgäu?

Es ist der südlichste Landkreis Deutschlands und gehört zum bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Die kreisfreie Stadt Kempten liegt inmitten dieses Landkreises. Wikipedia warnt uns davor, Oberallgäu fälschlicherweise als Synonym für das alpin geprägte Obere Allgäu zu verwenden. Das letztere ist das Ur-Allgäu von Oberstaufen über Oberstdorf und Sonthofen nach Bad Hindelang. Dagegen wird das ab Kempten in den Norden reichende voralpine Hügelland als Unterallgäu benannt, obwohl es zum Landkreis Oberallgäu gehört und dort auch vermehrt eine schwäbische Mundart zu vernehmen ist. Nördlich von Dietmansried verläuft dann der Landkreis Unterallgäu. Aller klar? Wir werden uns jetzt in das Gebiet rund um Kempten begeben, unserem langjährigen Käselieferanten, der Käserei Champignon in Lauben, einen Besuch abstatten und uns auf die Spuren des Genusses begeben.

Die Allgäuer Käsestraße

Dem 1997 gegründeten Verein der Allgäuer Käsestraße e.V. ist ein Zusammenschluss verschiedener Interessengruppen aus Landwirtschaft, Käseproduzenten, Tourismusgemeinden sowie weiterer Partner zu verdanken. Sie alle verpflichten sich folgenden Werten: Produktion und Vermarktung von Naturprodukten in einem regionalen Netzwerk, Einsatz von silofreiem Futter für Milchkühe sowie ihre gentechnikfreie Fütterung.

Diese Werte werden auch vom Bündnis Klimaneutrales Allgäu 2030 verfolgt. Dort setzt die Region ein starkes Zeichen, Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu sein. Alle teilnehmenden Akteure verpflichten sich, freiwillig bis 2030 klimaneutral zu werden. Das bedeutet: Reduzieren der eigenen CO2-Emissionen durch mehr Energieeffizienz und verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien vor Ort. Die Menschen in der Region, aber auch wir Besucher*innen werden es zu schätzen wissen, dass wir alle für eine enkeltaugliche Zukunft achtsamer mit unserer Natur umgehen. Nur so lassen sich alle diese schönen Landschaften, die wir auf unserer Wandertour vorstellen, erhalten.

Eine Landschaft, die zum aktiven Erkunden einlädt

Gerade weil sich die Route der Allgäuer Käsestraße über 220 Km durch die Westallgäuer Landschaft mit ihren saftigen Wiesen und sanften Hügelketten  hinzieht, vorbei an Heumilch-Sennereien, Hofkäsereien, wo Allgäuer Emmentaler, Berg-, Schnitt- oder Weichkäse nach handwerklicher, oft jahrhundertealter Tradition hergestellt werden, macht es viel mehr Spaß, das Auto abzustellen, um sich das Gebiet zu erwandern oder mit dem Rad zu erkunden. Dazu bietet die Website Allgäuer Käsestraße mehrere Routen von einfach mit dem klassischen Rad bis hin zu Herausforderungen mit dem Mountainbike an. Zum anschließenden Schlemmen, Genießen und auch Schlummern erhalten Sie dort ebenfalls viele interessante Tipps.

Links:

Hier schmeckt’s guat!

Aber nicht nur in den Sennereien hoch auf den Bergen der Alpen, die mit dem Qualitätssiegel Allgäuer Alpgenuss ausgezeichnet sind, auch in den vor-alpinen Regionen können Sie die Geschmäcker des Allgäus kennenlernen. In den kleinen Städten finden Sie überall Einladungen zu einer deftigen Brotzeit mit den lokalen Erzeugnissen aus Bäckereien, Metzgereien und Bergsennereien. Vielfach können Sie vor Ort den Produzenten über die Schultern schauen oder sogar mitmachen. Dazu gibt’s dann auch Getränke aus Allgäu-Schwäbischen Familienbrauereien, -Keltereien, -Brennereien oder Bergsennereien. Auf der Seite Oberallgäu Touren finden Sie dazu jede Menge Anregungen.

Allgäuer Spezialitäten – bodenständig lecker

Wie es in vielen Landstrichen in früheren Zeiten üblich war, so war auch die traditionelle Allgäuer Küche zunächst eine Armeleuteküche. Sie musste mit bescheidenen Lebensmitteln, die Natur und Garten hergaben, auskommen. Und das waren vor allem Eier, Mehl, Milch, Fett sowie Sauerkraut. Aber auch verschiedene Kräuter und Gemüse aus dem Bauerngarten. Diese Vorgeschichte hat dazu geführt, dass Sie hier ein breites Spektrum von Mehlspeisen und vielen anderen einfachen wie preiswerten Gerichten mit hohem Nährwert zum Verkosten erwartet. Begeisterungsalarm garantiert. Für Heiterkeit von der Namensgebung her sorgen weitere Spezialitäten wie Kässpatzen, Schleifernudla (vergleichbar mit Schupfnudeln, aber aus Weizenmehl), Katzegschrei (Rindfleischgröstl) und bei den Süßspeisen „Nonnafürzle“ (kleine Teigknödel in heißem Fett goldbraun gebacken) oder „versoffene Jungfern“ (in schwimmendem Fett ausgebackene Teigstückchen, die anschließend mit heißem Most oder Wein übergossen werden). Wohl bekomm’s.

Kempten – Allgäumetropole mit römischer Geschichte

Hätten Sie es gewusst, dass Kempten als eine der ältesten Städte Deutschlands gilt? Sie kann auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblicken, weil sie bereits in der Antike erstmalig als das einstige Cambodunum erwähnt wird. Diese auf die Römerzeit zurückgehende Gründung wird für uns heute im Archäologischen Park Cambodunum lebendig erhalten.

Architektonische Vielfalt durch zwei Jahrtausende

Im Stadtbild lassen sich die Spuren der Geschichte auch heute noch in einem faszinierenden Nebeneinander erkennen: Römerstadt, ehemalige Reichsstadt und Fürstabtei Kempten lassen sich bei einer Führung durch die Prunkräume der Residenz, eine Multivisionsshow im Kellergewölbe der Erasmuskapelle und bei einem Spaziergang durch die historische Altstadt entdecken.  Auch Shopping-Queens, -Kings mit ihren Prinzen kommen im ausgedehnten Einkaufsquartier vom Hildegard- und Residenzplatz sowie dem Mühlbachquartier im Norden bis zum Forum Allgäu im Süden auf ihre Kosten. Das besondere, südlich angehauchte Flair Kemptens lässt sich vor allem in den Sommermonaten – sofern dies Corona wieder zulässt – in zahlreichen Straßencafés und Restaurants genießen.

Von allen deutschen Städten mit über 50 Tausend EinwohnerInnen ist Kempten mit 672 Meter über dem Meeresspiegel mit seiner Altstadt nach Villingen-Schwennigen, die 704 Meter hoch liegt, die am zweithöchsten gelegene. Der Hausberg der Stadt, der Mariaberg ist mit 915 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Schmale Höhenrücken und Kuppen wie die des Haubenschlosses (759 m), des Reichelsberges, der Halde (700 m) in nördlicher Richtung sowie weitere Erhebungen im ostwestlichen Verlauf setzen interessante landschaftliche Akzente. Nicht zu toppen ist natürlich das Alpenpanorama im Süden. Das Flüsschen Iller rauscht durch Stadt und führt bei Wanderungen oder Radeltouren auf dem Iller-Radweg, wie auch dem Allgäu-Radweg, in die schönsten Ecken des Allgäus. Immer mit Start und Ziel in Kempten, aber auch mit der Möglichkeit, für den Rückweg den Zug zu nehmen. BettundBike bietet auf seiner Seite am Iller-Radweg wie in Kempten eine gute Auswahl an Übernachtungen (ADFC zertifiziert).

Isny – Mittelalterliche Schönheit & atemberaubende Natur vor den Toren

Ebenfalls begnadet und unbedingt einen Abstecher wert ist die 1043 gegründete Stadt Isny. Sie ist ein heilklimatischer Kurort im Landkreis Ravensburg im württembergischen Allgäu und liegt genau an der Landesgrenze zwischen BaWü und Bayern an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße. Sie merken, Deutschland hat viel zu bieten.

Die Ansicht von Isny mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer, zahlreichen Türmen und Kirchen, mit Schloss und Bürgerhäusern ist reif für nicht nur einen Instagram-Schuss. Ihre Stadttore öffnen sich nach außen hin direkt in landschaftlich schöne Naturschutzgebiete. Das verlockt regelrecht, sich auf Wander-  oder Radtouren durch das Voralpenland bis in die Alpen oder in andere Richtung gen Bodensee zu bewegen.

Virtueller Standrundgang durch Isny.

Ein Muss auf Ihrer Isny-Tour ist ein Besuch in der Allgäuer Eismanufaktur. Sie wurde 1961 von den Gebrüdern Soravia gegründet. Mittlerweile ist die vierte Generation an den Eismaschinen tätig. Die Eismanufaktur bietet laut eigener Aussage „das wohl beste Eis des Allgäus – und vielleicht Italiens“. Das Geheimnis dahinter – wie kann’s anders sein? Alte, gut gehütete Familienrezepturen plus die frische Allgäuer Milch vom nur 500 Metern entfernten Bauernhof. Der Allgäu-Faktor in allen Zutaten unterscheide sie ganz natürlich von allen anderen „Gelatieri“. Aber urteilen Sie selbst, und lassen Sie sich die Allgäuer Eis-Spezialitäten einfach auf der Zunge zergehen.

Lauben – der Heimatort der Käserei Champignon

Nach so viel Natur und Kultur machen wir einen Abstecher nach Lauben. Im hügeligen Allgäuer Voralpenland, eingebettet in das Tal der Iller, befindet sich abseits vom Tourismusrummel die ruhige Gemeinde Lauben, Heimat der Käserei Champignon Hofmeister im Ortsteil Heising. Sie kann mit Stolz auf eine lange Unternehmensgeschichte seit 1908 zurückblicken. Sie waren es auch, die in der alten Bundesrepublik Deutschland das allererste Markenprodukt der Milchwirtschaft – den Champignon-Camembert – in die Läden brachte. 1980 führte das Unternehmen den Blauschimmelkäse Cambozola ein. Bekannt und beliebt ist sicherlich auch der Weichkäse mit Rotschimmel, Rougette.

Aus Überzeugung und Liebe zur Region

Die Käsespezialitäten werden aus reiner, heimischer Kuhmilch hergestellt: Ganz ohne Konservierungsstoffe, Stabilisatoren, künstliche Aromen oder Gluten. Das Ergebnis lässt sich schmecken: 100 Prozent echter Käse, mit allen Nährstoffen aus der Milch und ein natürlicher Geschmack. Die Milch kommt aus der Region, die wir gerade in unserem Blogbeitrag bereist haben. Das Unternehmen, das in vierter Generation als Familienunternehmen aktiv ist, engagiert sich selbstverständlich auch vor Ort: für soziale Projekte, Kultur und Tourismus und die Umwelt. Dabei ist es ihm auch wichtig, den Austausch auf vielen Ebenen zu pflegen und zu fördern. Die beiden Käseläden in den Ortsteilen Heising und Kammlach haben sich zu beliebten Treffpunkten für die KäsefreundInnen in der Region entwickelt.

Nachdem wir so viel über Genuss und Käse gesprochen haben, möchten wir Ihnen aus der Käserei Champignon ein saisonales Rezept mit auf den Weg geben. Die Grillsaison naht jetzt doch hoffentlich mit steigenden Temperaturen. Wie wär’s, wenn Sie sich und Ihre Gäste mit einer neuen Würzigkeit überraschen? Es geht ganz einfach. Mit hohem Mhm-Faktor – versprochen:

Los geht’s: „Bunte Grillspieße“mit Speck, Kirschtomaten, Brokkoli, Fladenbrot und Hummus-Dip