Letzte Folge unserer digitalen Zeitreisen – heute: der Eisbergsalat, Deutschlands Lieblingssalat Nr. 1

„Schon beim ersten Biss bemerken Sie jenen sauberen und wässrigen Crunch, der sich in der blassen Kräuselung der inneren Blätter immer mehr vertieft zu einer rauchigen Bitterkeit mit einem Flüstern von Karamell und Koriander.“
Helen Rosner, It’s Time to Admit That Iceberg Is a Superior Lettuce, The New Yorker, 08-08-2018

Der Eisbergsalat. Heißgeliebt darf er heute in keiner Salatbar fehlen: so knackig, so saftig, so nussig und vielfältig einsetzbar. Auf der Hitliste der meistkonsumierten Salatsorten steht er ganz oben.  Wir widmen uns dem Eisbergsalat als „cooles“ Sommerthema. Wir schauen unter die Spitze des Eisbergs, gehen auf Spurensuche seiner Herkunft und seines Namens. Begleiten Sie uns einfach kurz und knackig.

Von Frankreich nach Kalifornien

Die Ursprünge des Icebergs – auch Eissalat genannt – gehen zurück auf „La Blonde de Paris“. So einen koketten Namen erhielt der Batavia Salat, einer der Vorläufer, von den Franzosen. Sein Name kommt von „Batavia“, dem lateinischen Namen, den die Römer dem Gebiet der Region der Rheinmündung gaben, wo die Bataver ansässig waren. Im 19. Jahrhundert wurde der Batavia in Frankreich erstmalig kultiviert und als Sommersalat gegessen. Allerdings war zu der Zeit Salat bei weitem nicht so geschätzt wie heute und spielte auch in der „Cuisine Française“ hauptsächlich eine dekorative Bedeutung. Interessanter Weise gewinnt dieses „Grünzeug“ erst an Bedeutung zu gewinnen als die Entdeckung des Salzes im Altertum dazukommt. Das französische „Salade“ stammt aus dem Lateinischen „Sal“ für Salz, eine der Zutaten, die zusammen mit Essig und Öl, aus den einfachen Blättern eine geschmackvolle Delikatesse machen.

„Wo det Salatessen anfängt, bejinnt de Kultur…“

Max Liebermann, 1927 (deutscher Maler und Grafiker, einer der wichtigsten Vertreter des Impressionismus)

Bis heute ist der Batavia weit über Frankreich ein beliebter Salat: wegen seiner zarten, gekrausten Blätter und Spitzen, die leicht rötlich sein können. Sie sind nach oben geöffnet und erscheinen wie übergroße grünrote Rosenköpfe. Hinzu kam auch diese herrliche Knackigkeit, die wir bis heute schätzen. Diese eleganten Köpfe hatten offensichtlich den Gründer der W. Atlee Burpee & Company in Philadelphia „becircst“. Das Unternehmen, das bis heute eines der großen Saatgutunternehmen mit Versandhandel ist, begann damals seine Erfolgsgeschichte. 1876 Jahre expandierte es gerade mit neuen landwirtschaftlichen Produkten: Bedarfsartikeln für alles um den Gartenbau sowie insbesondere um den Geschäftszweig als Saatgutlieferant. Die Atlee Burpee & Company hatte in den gesamten USA als Alleinstellungsmerkmal seine forschungsbasierte Saatenzucht.

Eisgekühlt und frisch zu den Märkten

Für die ungeheure Nachfrage musste das Unternehmen in den 1920ern geeignete Transportwege finden, um die Salate wie frisch vom Feld gepflückt im ganzen Land auszuliefern. Hier kommt die Legende der eisigen Namensherkunft ins Spiel. Da es noch keine Kühlwaggons gab, mussten die Salate beim Transport durch den Kontinent mit der Bahn auf großen Eisberg-artigen Blöcken gelagert werden. Im Marketing wurden seine „Eis-weiße Farbe und die knackige Textur des Salates“ angepriesen.

Von dieser Produkteinführung an, begann der Siegeszug des knackigen Salates. Er habe eine regelrechte Transformation des Salatverzehrs in den USA herbeigeführt, berichtet Rosner, seine amerikanische Verfechterin beim New Yorker, 2018 in einem Interview. Die 1930er Jahre waren in Amerika die Zeit, in der sich die großen Lebensmittelketten etablieren und die ersten Kühlschränke flächendeckend überall in den amerikanischen Haushalten Einzug hielten. So konnte der zunächst in Kalifornien angebaute Eisberg-Salat zum amerikanischer National-Kopf werden. Während 1919 gerade mal 2 Kilo Salat verzehrt wurden, stieg der Verzehr Mitte der 1950er Jahre pro Kopf bereits jährlich um 7 Kilo Salat. Dabei dominierte der Eisbergsalat und inspirierte Profi- wie Amateurköche zu immer neuen Rezepturen. Bald schwappte die Eisberg-Salat-Welle auch nach Europa sowie die restliche Welt und brachte mehr Knack und Biss auf die Salatteller.

Mit Abstand beliebteste Salatsorte Deutschlands

Nach einer Statistik des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (>> zur Webseite) lag 2018/2019 der Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse in Deutschland bei rund 97 Kilogramm. Davon entfielen 5,6 Kilogramm auf Salat. Der Eisbergsalat ist Deutschlands beliebtester Salat zusammen mit Kopfsalat machen sie zusammen mehr als 40 Prozent der verkauften Salate aus. Hinsichtlich der Anbaufläche und Erntemenge nimmt der Eisbergsalat in Deutschland eine Spitzenposition ein. 2020 wurden auf 3.716 Hektar gut 128.000 Tonnen Eissalat geerntet. Mit reichlich Abstand dahinter kommt der Kopfsalat mit 1.375 Hektar und rund 45.500 Tonnen. Eissalat wird vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen produziert.

Eine Rezeptvielfalt der Superlative

Salate profitierten durch das erstarkende Gesundheits- und Figur-Bewusstsein der letzten Jahre. Längst brauchen sie sich heute hinter anderen Speisen zu verstecken. DocFleck, Deutschlands bekannteste Präventiv- und Ernährungsmedizinerin, hat in ihrem einzigartigen Rezeptbuch mit dem vielsagenden Titel “Salate der Superlative” den Beweis geliefert.

Auch auf Social-Media-Kanälen trenden verführerische Bilder und Rezepte der Salatfans. Videos zu unterschiedlichen Salatkombis gehen viral. Die Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler bestätigt: „Da die Hauptzutaten vegetarisch sind, haben sich Salate im Zuge der Wellnesstrends schon länger von der Beilage zu einem eigenständigen Gericht entwickelt”. Salate sind auch deswegen so beliebt, weil sie schnell zuzubereiten und leicht individualisierbar sind.

Typisch Klüh

In unseren Betriebsrestaurants verwöhnen wir unsere Tischgäste dazu täglich mit frischen Knackigkeiten, köstlichen Zutaten, abwechslungsreichen Dressings und Toppings.

Die Top-10 der Salate*:
1. Eisbergsalat (110 Tsd. Tonnen)
2. Kopfsalat (20,7 Tsd. Tonnen)
3. Chicorée (20,5 Tsd. Tonnen)
4. Salatherzen (17 Tsd. Tonnen
5. Feldsalat (11 Tsd. Tonnen)
6. Spinat (7 Tsd. Tonnen)
7. Lollo Rosso/Bionda (6,3 Tsd. Tonnen)
8. Endiviensalat (6,2 Tsd. Tonnen)
9. Rucola (5,05 Tsd. Tonnen)
10. Eichblattsalat (5,04 Tsd. Tonnen)
(*Quelle: AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels)

Fakten zum Eisbergsalat:

  • wenig Kalorien und guter Anteil an Ballaststoffen, Vitamin K und Vitamin A.
  • Eine Portion (etwa 72 Gramm) zerkleinerter Eisbergsalat enthält u. a. folgende Nährstoffe:
    • 10,1 Kalorien
    • 17,4 Mikrogramm Vitamin K (22 Prozent DV)
    • 361 internationale Einheiten Vitamin A (7 Prozent DV)
    • 20,9 Mikrogramm Folat (5 Prozent DV)
    • 102 Milligramm Kalium (3 Prozent DV).

Gute Lagerungsfähigkeit: Im Gemüse-/Salatfachs des Kühlschranks ist der Eisbergsalat 1 – 2 Wochen haltbar.

Foto: Claudia Zurlo Photography